Sonntag, 5. August 2012

Weißkugel (3739m)


Es war wieder an der Zeit, dass wir uns einer neuen Herausforderung stellten. So beschlossen wir ähnlich wie im letzten Jahr eine zweitägige Bergtour zu meistern. Die Wahl fiel diesmal auf eine Gletscherroute im Matschertal (Vinschgau), genauer gesagt wollten wir an einem Tag zur Oberetteshütte (2677m) wandern und am darauffolgenden von dort aus die Weißkugel (3739m) besteigen.Nachdem der Wetterbericht im Vorfeld für das Wochenende nichts Gutes verhieß, starteten wir mit etwas gemischten Gefühlen früher als geplant. Kurz nach der Ortschaft Matsch im Matschertal begann unser Trip am Parkplatz der Glieshöfe. Von dort folgten wir links einer Forststraße bis wir nach ungefähr einer dreiviertel Stunde rechts abbogen in Richtung Oberetteshütte. Der Weg Nr. 1 führte uns bis oberhalb der Baumgrenze zur Talstation der Materialseilbahn, von der aus wir rechts den alten Weg nahmen. Dieser Pfad führt in steilen Serpentinen über Felsschutt hoch zur Unterkunft, die wir nach zweistündiger Wanderung trocken erreichen.


Der Hüttenwirt zeigte seine Gastfreundschaft, indem er uns mit einem Begrüßungsschnaps freundlich entgegennahm. Das Haus ist vor kurzem erst restauriert worden und macht einen sauberen und gepflegten Eindruck. Wir verstauten die Ausrüstung und stärkten uns in der Stube. Die restliche Zeit vertrieben wir uns bei improvisiertem Pokerspiel bis es um 22 Uhr galt die Hüttenruhe im Matratzenlager anzutreten.
In der Nacht hielten uns ein gewaltiges Gewitter und anschließende “Holzfällerarbeiten“ der Bettgenossen vom Schlafen ab. Nachdem wir kein Auge zugemacht hatten, traten wir um halb 5 Uhr morgens das Frühstück an.Kurz nach 5 Uhr begann unser Aufstieg bei guten Verhältnissen. Mit Gletscherausrüstung, Proviant und Stirnlampe bepackt ging es los. Der Wegmarkierung 5b folgend gelangten wir nach relativ steilem Anstieg zu einer Anhöhe, von der aus die Route wieder über ein Geröllfeld hinunter führt. Am tiefsten Punkt überquerten wir einen Bach bis wir kurz darauf am Einstieg des Gletschers standen.
Wir schnürten die Steigeisen an, sicherten uns mit dem Seil und konnten loslegen. Der Aufstieg war nicht eindeutig festgelegt, so kam es dass wir uns immer an den Spalten orientierend ziemlich rechts am Rande des Gletschers bewegten. Nach einiger Zeit war das blanke Eis mit viel Schnee bedeckt, dies erschwerte den Gang etwas. Nach einem letzten steilen Stück übers „Matscher Wandl“ war die Höhe erreicht. Nun galt es noch ein Grat zu überqueren bis die restlichen paar hundert Meter vor dem Gipfel über Fels geklettert werden müssen.

Höhenprofil
Nach etwa 4,5h Stunden war das Gipfelkreuz erreicht. Starke Wolkenzüge verhinderten eine perfekte Aussicht, aber heftige Windstöße konnten hin und wieder einen Einblick in das dortige Panoramabild verschaffen. Da es am Gipfel durch den Wind ziemlich frisch wurde beschlossen wir relativ rasch wieder abzusteigen. Ohne größere Schwierigkeiten waren wir nach zweieinhalb Stunden wieder an der Oberetteshütte angelangt und stärkten uns ausgiebig. Nachdem wir die Rücksäcke wieder beladen hatten, brachen wir auf. Abwärts nahmen wir den neuen Weg, der besser präpariert war, bis wir über einen Waldweg anstatt des Forstweges wieder die Glieshöfe erreichten.Sichtlich erschöpft trafen wir am Parkplatz ein. Es war eine tolle aber anstrengende Bergtour, erfreulich war vor allem dass trotz schlechter Prognosen das Wetter hielt.


Tourenverlauf

Tourdaten
Start: Glieshöfe im Matschertal, Vinschgau (1810m)
Übernachtung: Oberetteshütte (2677m)
Höhenunterschiede/Gehzeiten: 870m 2h bis Hütte
von Hütte bis Gipfel ca. 1310m 4,5h
Abstieg über Aufstiegsroute gesamt ca 4,5h
Distanz insgesamt: 25,5 km



Aufbruch Richtung Gipfel um 5 Uhr 


Der obere Teil der Aufstiegsroute über dem Gletscher



mehrere Seilschaften überqueren den verspalteten Gletscher


"Matscher Wandl"


Weißkugel (3739m)